Blog - Katharina Dietrich Resilienz & innere Stärke für Kinder
13. Mai 2026

Mein Kind macht Fehler. Zum Glück.

Neulich saß ein Kind bei mir in der Sitzung. Es hatte in der Schule eine Aufgabe falsch gelöst – und war am Boden zerstört. Nicht wegen der Aufgabe. Sondern wegen sich selbst.
„Ich bin einfach dumm.”
Dieser Satz tut weh. Und er ist erschreckend häufig. Kinder, die einen Fehler machen, und sofort schlussfolgern: Ich bin blöd.
Dabei ist genau das Gegenteil wahr.
Fehler sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind der Weg, auf dem Lernen überhaupt erst passiert.

Was wir Kindern beibringen, wenn wir ihnen zeigen, wie wir mit Fehlern umgehen
Kinder beobachten uns. Nicht nur, was wir sagen – sondern wie wir reagieren, wenn etwas schiefläuft.
Was machen Sie, wenn Ihnen etwas misslingt? Schimpfen Sie auf sich selbst? Streichen Sie die Niederlage schnell durch und tun so, als wäre nichts gewesen? Oder sagen Sie: „Okay. Das hat nicht funktioniert. Was kann ich verändern?”
Kinder lernen vom Modell. Und das Modell sind wir.
Robert Brooks und Sam Goldstein beschreiben in ihrem Buch über Resilienz etwas, das ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe: Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen Eltern, die zeigen, dass Fehler zum Leben dazugehören – und dass man trotzdem weitermacht.

Was Resilienz mit Fehlern zu tun hat
Resiliente Kinder haben keine Angst vor dem Scheitern. Sie haben gelernt, dass ein Misserfolg nicht das Ende der Welt ist. Dass man hinfallen kann, aber wieder aufsteht. Dass es weitere Versuche gibt.
Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht.
Viele Kinder, die ich begleite, haben dieses Gefühl noch nicht. Sie vermeiden lieber Aufgaben, bei denen sie scheitern könnten. Sie geben früh auf. Sie trauen sich nicht, etwas Neues auszuprobieren.
Das hat nichts mit mangelndem Willen zu tun.

Was Sie konkret tun können
Drei einfache Dinge, die wirklich etwas verändern:

  1. Erzählen Sie von Ihren eigenen Fehlern. Nicht übertrieben, nicht als große Geschichte. Einfach so, beiläufig. „Ich hab heute im Büro etwas durcheinandergebracht. Das war mir unangenehm. Ich habe es aber korrigieren können.” Das zeigt: Fehler gehören dazu. Auch bei Erwachsenen.
  2. Fragen Sie nach dem Prozess, nicht nur nach dem Ergebnis. Nicht: „Hast du eine gute Note bekommen?” Sondern: „Was war für dich die schwierigste Aufgabe? Was hast du dabei gelernt?”
  3. Reagieren Sie ruhig, wenn Ihr Kind einen Fehler macht. Nicht gleichgültig – ruhig. Der Tonfall, mit dem wir auf Fehler reagieren, prägt sich ein. Er wird zur inneren Stimme des Kindes.

Und wenn es Ihr Kind ist, das sich selbst gegenüber so streng ist?
Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Oft steckt hinter dem hohen Anspruch an sich selbst mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist.
In meiner Praxis in Öhningen begleite ich Kinder, Jugendliche und Familien dabei, einen anderen Blick auf sich selbst zu entwickeln – einen, der freundlicher ist. Und realistischer. Der Blick soll zu den Stärken des Kindes gehen.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind Unterstützung braucht, bin ich gerne für Sie da.

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